Les Portes ouvertes

Das jüngste Projekt »Les Portes ouvertes« des Bildhauers und Malers Bernd Engberding entstand im Jahr 2005 inspiriert durch einen Aufenthalt im Grenzgebiet zwischen Frankreich und Italien. Türen als Sinnbild eines Transfers zwischen Ländern und Kulturen. Türen darüber hinaus als Metapher für die Verschränkung von Vergangenheit und Zukunft, ein Thema, mit dem sich Engberding seit langem beschäftigt.

Für sein aktuelles Projekt hat Bernd Engberding erneut Holz als Werkstoff gewählt. Allerdings entschied er sich diesmal nicht für den unbehandelten, jungfräulichen Rohstoff, sondern er wählte bereits gebrauchtes Material, Türen mit Spuren einer eigenen Vergangenheit. Aus ihnen sind Arbeiten von geheimnisvoller Poesie entstanden. Innerhalb eines Zyklus von 36 Türen eröffnet jede einzelne Tür eine separate Erzählung. Darüber hinaus suchte Engberding individuelle Türausschnitte aus zu kleinformatigen Detaildrucken, in der ihm charakteristischen Technik des polychromen Acrylfarbendrucks.

Das gestalterische Panorama von Les Portes ouvertes assoziiert südfranzösische Höhlenmalerei, altägyptische Hieroglyphen, steinzeitliche und antike Skulptur sowie phantastische Symbolik. Menschliche Figuren, radikal reduziert auf die Strichform, bevölkern einen imaginären Raum. Neben Ganzkörperfiguren – spielende Kinder, Akrobaten, Fahnenträger – finden sich Torsi, überdies Fabelwesen und absonderliche Gestalten aus einem scheinbar extraterrestrischen Kosmos. Zu ihnen gesellen sich Tiere vielfältigster Art, zahlreiche Echsen und auch Käfer in angedeuteter Fluss- oder Berglandschaft. Sie alle verkörpern das Personal, mit dem Bernd Engberding seine schöpferischen Geschichten erzählt.

Die in Bernd Engberdings Œuvre fortdauernd anzutreffende Thematik der zwischenmenschlichen Kommunikation liest sich in Les Portes ouvertes in reduzierter Form. Zwar präsentieren sich sämtliche Akteure durchaus in gemeinschaftlicher Handlung, intensive Berührung aber scheint diesmal von untergeordneter Gewichtung zu sein. Verschränkungen, direkte Kontakte oder Überlappungen der in Beziehung zueinander gesetzten Individuen sind dünn gesät. Atmosphä-rischer Ernst ist dennoch nirgends auszumachen. Vielmehr muten Bernd Engberdings erzählende Türen spielerisch an. Ihr bilderreicher Charakter fordert die Betrachter zur Dechiffrierung heraus. Türen als poetisches Ratespiel, das ist der faszinierende Reiz von Les Portes ouvertes.

Text von xxx